25
Mai
2009

Zwei schwarze Superhelden.

Mit den oben erwähnten Personen kennt sich der Verfasser des ersten Buches anscheinend so gut aus, dass er seinem Sohn selbiger sein möchte, und das musikalisch eindrucksvoll untermalt auf seinem Album Dis wo ich herkomm, Untertitel: Deutschland Deluxe. Die Rede ist natürlich von Samy Deluxe, dessen wie das Album betitelte Buch(erschienen bei ro ro ro, 8.95 € ) sich heute morgen meiner Aufmerksamkeit erfreuen durfte. Die 218 Seiten waren schnell gelesen, nicht deshalb, weil der Rapper aus Hamburg nichts zu sagen hat, im Gegenteil, sondern weil er es nicht besonders ausführlich tut. Das Buch, von Herrn Sorge in Coproduktion mit dem Journalisten Götz Bühler verfasst, erzählt seine Geschichte vom Anfang im Jahr 1977 bis heute, deutet in nett erzählten Anekdoten viel an, lässt leider aber auch viel aus, und ist manchmal ein wenig zu seicht zu lesen, ein wenig glattgebügelt, ein wenig zu oberflächlich, wo man sich mehr Tiefgang erhofft hätte(beispielsweise über die Anfangszeiten im Eimsbush Bassment, oder aber auch die Zeit zwischen 2003 und 2005, als Samy zum Abziehbild des gemeinen Ami-Rappers wurde). An einigen Stellen stutzte ich richtiggehend, und war mir sicher, Passagen entdeckt zu haben, die Samy auf gar keinen Fall selbst geschrieben hat.

Diese kleinen Wackler schaffen es aber nicht, das Bild des immer noch rappenden, immer noch kiffenden, aber mittlerweile auch politisch denkenden, sozial engagierten Samy zu übertünchen. Nein, sie machen Lust auf mehr. Finde ich. Und es ist alles in allem eine kleine deutsche Erfolgsstory, die in diesem Buch beschrieben wird. Einer, der es von ganz unten nach ganz oben geschafft hat.


Der andere schwarze Superheld ist der mittlerweile mächtigste Mann der Welt: Barack O. aus H. hat 2006 ein Buch geschrieben, durch das ich mich seit einiger Zeit zu kämpfen versuchte. Auf Seite 152 habe ich heute aufgegeben. Der für Amerikaner griffige Titel "The Audacity of Hope" (dt. Die Kühnheit/Verwegenheit, oder Das Wagnis, bzw. Der Mut, zu hoffen/Hoffnung zu haben., der deutsche Titel des Buches lautet: Hoffnung wagen) kommt sehr philosophisch daher, und, ich muss leider sagen, das gut geschriebene Buch, von einer exzellenten rhetorischen Schulung gespeist und daher wirklich angenehm zu lesen, spricht mich einfach nicht an. Der Untertitel Thoughts On Reclaiming The American Dream verrät, wieso: Es ist von einem Amerikaner für Amerikaner geschrieben worden. Deshalb ist es für mich als Deutschen schwierig nachzuvollziehen, gerade die Gedanken über das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (GDP = Gross Domestic Product), generelle Finanzpolitik, und was genau in Amerika alles schiefläuft, interessiert mich auch nicht sonderlich, solange der Mann da bleibt, wo er jetzt ist, und den Laden wieder in Schwung bringt - da bin ich schonungslos ehrlich. Was bleibt, ist die, genau wie die von Samy Deluxe, wirklich interessante persönliche Geschichte, auf die er zwischendurch immer wieder eingeht, denn sie beeinflusst ihn in seinem Handeln, in seinem Tun und Wirken.

Unterm Strich stehen ein etwas weniger gut geschriebenes Buch, das leider auch Umfang vermissen lässt, ich bin mir sicher, dass Samy noch deutlich mehr erzählen könnte, auch und gerade über seine Labelgründung im Jahr 2005, generell über Hip-Hop-Themen und viel, viel mehr, und ein exzellent geschriebenes Buch, für das ich einfach nicht die richtige Zielgruppe, zumindest nicht in diesem Umfang geballter politischer Informationen Zahlen, Daten und Fakten, darstelle. Und, ehrlich gesagt, bezweifle ich auch, dass dieses Buch für den Durchschnittsamerikaner geschrieben ist.

Trotzdem - ich bin von beiden schwarzen Superhelden begeistert. Und wer weiß, vielleicht bringt der eine dem anderen ja noch ein Wenig das Schreiben, und der andere dem einen das Erzählen bei.

23
Mai
2009

Über die Vor- und Nachteile des Luftgitarrenspielens.

Man kennt das ja: Aus den Boxen dröhnt Rage Against The Machine, oder wahlweise System Of A Down, auf jeden Fall eine dieser Vier-Wort-Bands mit wunderbaren Powerchords im Gitarrenspiel, und sofort hat man eine unsichtbare Gibson Flying V (alternativ eine SG oder Fender Stratocaster) in der Hand und tobt wie weiland Angus Young einbeinig hüpfend durch den Moshpit. Aber da liegt leider gerade des Pudels Kern begraben: Im Moshpit nimmt niemand Rücksicht auf Luftgitarrenvirtuosen.

Also, außer wenn gerade Bummelstreik an der Cocktailbar herrscht, und deshalb niemand den Tanzflur besetzt, weil alles noch auf den Mojito wartet, sollte man den virtuellen Gitarrenhals woanders strangulieren, als inmitten der manifestierten Tanzwut. Sonst sieht einen ja auch niemand dabei.

20
Mai
2009

Wear White!

Wear White! Party - überm Wienerwald am Freitag, 29.05. - für Bier, Cocktails und Tequila zu studentisch angemessenen Preisen ist gesorgt! Alle die, die dies lesen, dürfen sich als zum Kommen verpflichtet fühlen. Bringt eure Freunde mit - es wird GROSS.

Main Floor: Elektro, Latin und Breakbeats von und mit DJ Kravalo an den 1210ern.
Lounge: Mixed Music vom Laptop.
Hallway: Bierbarkeeper's Lieblingsmusik vom Ghettoblaster.

Doors open: 21 h
Doors closed: Never.

Doch wieder liegen lernen...

Da heute einer dieser Tage ist,
wo man zu gar nichts in der Lage ist...
(Sam Ragga Band ft. Jan Delay - Die Welt Steht Still)

Ja, so oder so ähnlich fühlt es sich bei mir gerade an. Keine Ahnung, warum, ich habe gestern und heute einige Dinge geschafft, die ich länger vor mir hergeschoben hatte: Das Paket für Markus' Geburtstag(heute, Mittwoch) zur Post bringen, einen wichtigen Brief an Papa(wegen Kindergeld) abschicken, bei Joey's kündigen, zur Uni gehen, meinen Written Comm 1 Essay rechtzeitig fertig machen - und dann war ich heute noch knapp zweieinhalb Stunden Beachvolleyball spielen und danach noch ne gute Stunde Fußball, wobei mir zwei gut erzwungene Kontertore gelungen sind. Eins mehr hätte ich allerdings machen müssen, da habe ich zu unpräzise direkt auf den Torwart geschossen. Und irgendwie fühlt sich trotzdem alles so leer an. Was mache ich eigentlich hier? Wozu mache ich das? Was soll das ganze, und, vor allem, was ist der Sinn des Lebens? Solche Fragen stellt man sich wohl nur, wenn man gerade nicht in einer festen Beziehung steckt. Dann hat häufig alles einen Sinn, dann sieht man alles klar (oder verklärt? Mann, das macht es auch nicht wirklich einfacher.). Dann lässt man sich von Nebensächlichkeiten nicht so runterziehen, dann ist man weniger verwundbar, dann ist man mehr ein Mensch als ein Idiot. Und wenn doch ein Idiot, dann hat man trotzdem wenigstens jemanden, der zu einem hält(auch wenn man diese Person eigentlich nicht verdient hat).

Ja, das würde die meisten meiner Probleme, wenn man sie denn überhaupt so nennen darf, sicherlich beheben, bzw. mir einen anderen Blickwinkel auf sie verschaffen, der sie vielleicht nicht so riesig erscheinen lassen würde. Aber es ist ja leider nicht so, dass der Volksmund Recht hätte: Wer suchet, der findet. Es läuft bestätigterweise eher so: Wer sucht, der erzeugt ein abstoßendes Magnetfeld. Also doch wieder: liegen lernen.

11
Mai
2009

Yes, I can!

Daumendrücken hat geholfen. Ich hab den Job im Club 27, Donnerstag ist das erste Briefing, Freitag gehts los. Ich kann nur dazu auffordern, sich den Laden mal anzugucken. Das wird groß.

Adresse:
Club 27
Düsseldorfer Straße 4 (ehemals "Cinderella", zuletzt "Mosaik")
72074 Tübingen

Koordinaten: +48° 31' 16.52", +9° 4' 58.34" (bei Google Maps eingeben)

10
Mai
2009

42 and counting.

Nach etwas über 42 Tagen hat es mich heute mal wieder erwischt: Ich wollte unbedingt eine Zigarette rauchen. Zum Glück habe ich noch Nikotinkaugummis. Die machen das ganze Elend nach der Last-Minute-Niederlage gegen Gladbach erträglich. Aber wenn wir dadurch eine Traditionsmannschaft in der Bundesliga belassen, solls mir zähneknirschend recht sein. Wir haben ja diese Saison immerhin Klinsmann gestürzt und Felix Magath für die kommenden goldenen Zeiten verpflichten können. Auch wenn der Europa-Liga-Zug jetzt volle Kanne abgefahren ist. Mal sehen, ob ich mir das Debakel, das sich am 13. gegen Stuttgart zuhause anbahnt, gucken werde. Wahrscheinlich schon, da es hier im Schwabenland live und in voller Länge übertragen wird.

Und vielleicht rehabilitieren sich die Jungs ja und schießen ihren neuen Trainer doch zum Meister, indem sie Stuttgart ein Bein stellen. Man sollte die Hoffnung in dieser verrückten Saison nicht aufgeben. Genau wie die Hoffnung, weiter nicht zu rauchen. Auch wenn sich da weitere Komplikationen auftun, was mein Privatleben betrifft. Die sind aber abgesehen von der Rauchgeschichte wohl eher positiv zu bewerten. Finde ich zumindest. :D

Morgen: Vorstellungsgespräch beim Club 27 - da kann man mich dann hoffentlich ab Freitag als Tresenmensch besuchen. Drückt mir die Daumen.

2
Mai
2009

Ohne Alkohol und Zigaretten, Tag 12

Heute ist mal wieder Samstag. Und worauf ich zur Zeit so richtig gar keine Lust habe, ist meistens Samstags. Okay, letztes Wochenende (gegen Bayern)gings: Fußball gucken ohne dabei Bier zu trinken. Das Problem ist: Wenn ich kein Bier trinke, muss ich beim Fußballgucken immer rumpöbeln. Alles, was dem normalen Fußballfan erst nach Betreten des Stadions und ungefähr fünf halben Litern Hopfenblütentee über die Lippen kommt, ist bei mir nämlich abrufbereit unter Schnellwahltaste 1 im Kleinhirn gespeichert: Gängige Stadion-Gassenhauer wie "Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht!" oder "Gelbe Karte, Rote Karte, Raus die Sau!" sind quasi das Erste, was mir nüchtern beim Betrachten eines grünen Spielfeldes durch den Kopf geht. Das erzeugt immer Probleme, wenn ich Wimbledon gucke. ;)

Naja, und da hier im tiefsten Schwabaländle wohl sowieso keine Kneipe meine Schalker gegen Leverkusen in voller Länge zeigt, bleibe ich heute einfach mal zuhause. Spart auch Geld, setzt mich nicht dem Alkohol- und Tabakdunst in den einschlägigen Eck- und Fußballkneipen aus, und ist - excuse my french - sterbenslangweilig. So hatten wir aber nicht gewettet. Warum kommt mir mein Leben ohne Alkohol und Zigaretten so beschissen langweilig vor? Ernsthafte Erklärungsverusche (weil es vorher wirklich nicht allzuviel spannender gewesen sein kann, das bezweifle ich vehement) sind willkommen. Unten in der Kommentarsektion.

Und was noch viel bekloppter ist: Jetzt, wo ich nicht mehr rauche und trinke, komme ich irgendwie nur mit rauchenden, trinkenden, Party machenden (und zusätzlich hauptsächlich gutaussehenden und intelligenten) Mädels in Kontakt. Toll. Hätten die sich nicht vorher mal irgendwie zeigen können? Grmpf.

Bilanz des Kampfes gegen den inneren Schweinehund:
33 Tage, 23 Stunden, 41 Minuten keine Zigarette mehr geraucht
Seit Dienstag, 21.04., ca. 01:45 kein Alkohol mehr getrunken

26
Apr
2009

Ohne Alkohol und Zigaretten: Tag 5

Seit ungefähr Dienstag Abend, 20 Uhr(nachdem ich beim Fußball auch den letzten Rest Restalkohol ausgeschwitzt hatte), ist mein Körper 22 Tage frei von den schädlichen Zusatzstoffen, die Tabak zusätzlich zum Nikotin in die Lunge pustet, und beinhaltet keinen Alkohol mehr. Könnte ja im Grunde direkt, nachdem ich die Nikotinkaugummis(von denen ich zur Zeit nur eins bis zwei am Tag futtere) abgesetzt habe, straigt edge werden, hab ja gerade sowieso keine Freundin, also ist auch die "Kein Sex vor der Ehe" Geschichte geregelt.

Obwohl - nach meiner Definition ist ja schon Kaffee eine Droge - da werde ich es schwer haben. Weil: Ohne härtere Drogen im Sinne des BtMG komme ich super klar, ohne Tabak und Alkohol, das ist ja schon langweilig genug, ohne Kaffe bzw. Koffein würde ich morgens noch nicht einmal aufstehen. Straight Edge fällt also aus. Dann einfach weiter kein Alk und keine Kippen. Das ist doch schon mal gut genug.

Die Statistik des Sieges über den inneren Schweinehund heute:
3 Wochen und 6 Tage nicht geraucht
4 Tage keinen Alkohol getrunken
= etwas langweilig, aber okay. Man muss sich halt Beschäftigung suchen.

Jahrhundertsieg!

Weltpokalsiegerbesieger! So sperrig der Titel anmuten mag, so verdient ist er. Zugegebenermaßen wars ne größere Show, als der kleine FC St. Pauli den großen FC Bayern mit 2:1 bezwang, aber ich bin mit dem gestrigen 1:0 meiner Schalker über den FC Hollywood auch sehr zufrieden. Vier Spiele in Folge zu Null, vier Siege, und vor allem dieses wichtige Spiel gegen Bayern. Das gibt Selbstvertrauen. Und jetzt kann Leverkusen am 2. Mai gerne kommen, und Gladbach(10.05.) und Stuttgart(13.05.) auch, und spätestens da endet dann eine der beiden Siegesserien der Aufholteams der Rückrunde. Hoffentlich die der richtigen.

10
Apr
2009

Nichtraucher

So, ein Grund zur Freude. Joni ist seit dem 28. März nicht mehr abhängig. Zumindest nicht vm Nikotin.

Wenns noch ein Pflaster geben würde, dass einen gutaussehende Frauen ignorieren lassen würde, oder zumindest die Verliebtheitshormone für ein paar Tage zeitverzögert reagieren lassen würde, würde ich das mir direkt neben mein Nikotinpflaster kleben.

27
Mrz
2009

...

Soeben per email von Papa erhalten:

Ein weiterer Beweis für die Unvereinbarkeit von Mann und Frau ist erbracht: Weibliche und männliche Sehzentren sind unterschiedlich aufgebaut. Neben der Tatsache, dass wir uns anders bewegen, anders fühlen, träumen, Auto fahren und Kinder erziehen, benutzen wir also auch unsere Augen nicht auf dieselbe Weise. Allmählich muss man sich fragen, was wir – bis auf Arme, Beine und Kopf – überhaupt gemeinsam haben.

Wie ein deutsches Forscherteam herausgefunden hat, reagiert ein Mann stärker auf Bewegung, eine Frau hingegen auf Kanten und Kontraste. Diese Erkenntnis basiert auf Untersuchungen der Hirnrinden, die in hauchdünnen Scheibchen unters Mikroskop gelegt wurden.

Während Männer also wahrnehmen, DASS sich was bewegt, nehmen Frauen das Ding bereits ins Visier und beurteilen, wie scharf es – im besten Falle an ihnen - aussieht.

Beispiel: Im Fernsehen läuft Handball oder Sumo-Ringen, er lehnt sich zurück und ist zufrieden. Es tut sich was. Seine Partnerin wird aus dem Geschehen völlig andere Schlüsse ziehen, etwa, dass Stefan Kretschmer ein neues Tattoo auf dem Oberarm hat oder dass diese Wickel-Strings sicher unheimlich im Hintern zwicken.

Das Katzenklo bewegt sich nicht

Nun ist auch endlich das Geheimnis gelüftet, warum Männer und Frauen so unterschiedliche Toleranzschwellen in Sachen Haushalt aufweisen. Geschirrberge in der Spüle, Socken und Hemden überm Stuhl, das versteinerte Katzenklo - wie, bitte, sollen ihm denn diese Dinge ins Auge springen? Dazu müssten sie um einen Ball tippeln, auf Rädern rollen oder mit dem Hintern wackeln können. Aber so? Keine Botschaft also vom Geschirr an die männliche Hirnrinde.

Die weibliche Hirnrinde beginnt unterdessen zu pulsieren ob all dieser Reizüberflutung. Ist sie doch gezwungen, sich dem Chaos zu stellen, dass sich durch seine scharfen Konturen auf die Netzhaut drängt. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Frauen die Skyline des übriggebliebenen Geschirrs von vorgestern, das sich vor den versprenkelten Küchenfliesen abzeichnet, selbst dann nicht ignorieren können, wenn sie es wollten.

Das Klischee, dass Frauen schlechter einparken oder Stadtpläne lesen können, lässt sich mit der Studie übrigens nicht belegen. Kein Wunder: Nur ein Narr glaubt noch daran, dass eine Frau nicht in der Lage wäre, ihren Wagen in einem 90-Grad-Winkel zum Bürgersteig zu positionieren. Alles eine Frage des Willens. Ist ein Parkplatz gefunden, hat die Frau bereits das nächste wichtige Detail fokussiert: Das Kleid mit der atemberaubenden Silhouette in dem Schaufenster da.

Es ist wirklich nicht wichtig, ob das Auto gerade oder schief in der Parklücke steht. Und wenn man nach der Studie geht, dürfte das sowieso keinem Mann auffallen: Es bewegt sich ja nicht.

Die Offenbarung

Soeben habe ich bemerkt, warum ich mich ständig wie ein Vollidiot verhalte: Weil das Leben als Gewinnertyp viel zu einfach wäre. Und ich hätte nichts, worüber ich mich ständig beschweren könnte.

Der Schluss aus dieser Erkenntnis: Einfach mal mehr nachdenken. Was ich tue, was ich sage. Warum ich Sachen tue und sage. Denn alles hat einen Sinn. Der kann durchaus auch negativ sein, Minus-Sinn quasi. Dann, wenn ich mich wie ein Vollidiot verhalte. Oder neutralen Sinn, bei sowas alltäglichem wie Wäsche waschen oder Essen kochen. Das macht Sinn, aber ist nicht wirklich erhebend. Es hat definitiv keinen negativen Sinn, aber wirklich positiv ist es auch nur in Anbetracht der vollbrachten Tat, von der man aber wiederum die investierte physische und pekuniäre Energie abziehen muss. Deswegen negativer Sinn.

Wie man sieht, bringt einen das Nachdenken an sich auch nicht wirklich weiter. Denn ohne Ärmelhochkrempeln funktioniert nichts. Wie es Louise L. Hay so schön formuliert: "Einfach im Stuhl sitzen und fordern, im anderen Zimmer sein zu wollen, wird nicht funktionieren. Wir alle wollen das Problem hinter uns haben, aber wir wollen nicht die kleinen Schritte gehen, die die Lösung ergeben."

Also ein weiterer Schluss: Nach dem Nachdenken kommt das Handeln. Am Besten das richtige, wahre, gute Handeln. Nicht nur dieser Aktionismus, wie man ihn bei Politikern öfter beobachten kann. Und im Grunde kommen wir dann wieder bei Dingen an, die schon länger klar sind, nämlich dass hier einiges schief läuft und so, womit wir wieder bei den kleinen Schritten von eben wären. Ich meine, ich sehe das ja schon alles differenziert und so, aber es ist wirklich schwierig, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist wie bei einem Abendessen mit guten Freunden, die man lange nicht gesehen hat: Man bespricht ne ganze Menge, hat sich viel zu erzählen, macht Pläne, sich mal öfter zu treffen, aber im Endeffekt bleibt der Abwasch und die Organisation der weiteren gemeinsamen Aktivitäten an einer Person hängen, die sich nach den soßenverschmierten Tellern und der verkrusteten Pfanne dann auch nur noch sehr ungern um die Organistion einer Telefonkette kümmert.

Und letztendlich karikiere ich meinen Anspruch ja auch, indem ich hier sitze und dies schreibe. Anstatt auf die Straße zu gehen, Barrikaden zu bauen, Autos anzuzünden und Politiker zu erschießen, die erwiesenermaßen Scheiße gebaut haben. Es ist ja noch nicht mal eine Hetzschrift, es ist noch nicht mal ein Manifest, was hier entsteht. Es soll eigentlich nur was zum Schmunzeln sein. Und ist im Grunde ziemlich enttäuschend. Und ich weiche vom Thema ab. Eigentlich spielte die Musik ja bei mir und meinem verkorksten Leben. Also einfach mal zurücklehnen und genießen, sehr verheerte Damen und Herren. Mein Name ist Jonathan Martin Dimitri Francesco Blum, Sie müssen sich das nicht alles merken, aber sicher ist sicher. Haben sich sicher auch meine Eltern damals gedacht, als sie mich so nannten. Ich bin 23 Jahre alt, habe nicht sonderlich viel Lebenserfahrung, die weiteste Reise meines Lebens führte mich aus Norddeutschland nach Mallorca, und im Grunde bin ich nicht sehr interessant. Ich studiere, mehr oder weniger, interessante Sachen, wie mir immer wieder bescheinigt wird, wenn ich davon erzähle. "Wow!" sagen 9 von 10 Personen, wenn ich sage, dass ich im Nebenfach Skandinavistik studiere. Warum, ist mir schleierhaft.

Zur Zeit lese ich, bzw. kämpfe ich mich durch "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin, im Abdruck der Originalhandschrift, und ungefähr so verworren wie die Erzähltechnik des Autors stellt sich auch das langweilige Bisschen Existenz, das mein Leben zur Zeit ist, dar. Es scheint nicht direkt ein Ziel zu geben, ich schlingere so ein wenig herum, und jetzt schreibe ich das auch noch auf, um wenigstens ein wenig Abwechslung zu haben. Also, folgt mir - es wird noch viel nicht zu erleben geben.

26
Mrz
2009

Wie ich auszog, die Welt zu retten, und mit Zigaretten zurückkam

Entdeckt im StudiVZ:

Als drehender Tabakraucher möchte ich auch noch etwas dazu sagen. Wir haben mit viel größeren Herausforderungen zu kämpfen als mit Karten zu spielen, ist der Weg zum Rauchgut doch ungleich weiter als beim Automatenzieher und dabei noch gesellschaftlichen Dogmen wie den Öffnungszeiten ausgeliefert.

Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, die Wohnung als Tabakraucher spontan, mit dem Entschluss die Welt zu retten, zu verlassen. Denn sobald ich den ersten Zigarettenautomaten passiert habe, wird mir bildlich bewusst, dass an dieser Stelle schon so mancher Held seinen idealistischen Ehrgeiz in der Entspannungsphase des Nikotinkonsums auf einen baldigen, zumutbaren Termin vertagte. Unsereins wird in jenem Automaten leider noch keine Erlösung finden. So wanke ich weiter und sammele mit jedem Schritt weitere, revolutionäre Ideen. Je nach Wetterlage mit wachsener Agressivität. Und immer wieder bestimmen Mut oder Angst den Entscheidungskampf zwischen Denken und Handeln.

Dabei laufe ich an mindestens drei Zigarettenautomaten vorbei. In meinem Hirn gestalten sich Wünsche nach einem Gleichstellungsgesetz für Tabakfreunde. Ich sehe Automaten überall: für Zigaretten, Kondome, Kaugummis, Glücksspiele, ja sogar für Batterien. Nur nicht für Tabakbeutel. Ich denke: Gleich morgen gründe ich ein Gewerbe und werde Automatenaufsteller. Alles wird anders. Morgen.

Endlich habe ich das Tabakgeschäft meines Vetrauens erreicht und muss feststellen, dass meine Ankunftszeit nicht ganz konform mit den Geschäftszeiten dieses guten Hauses ist. In diesem Moment werde ich philosophisch: Ist eine solche Welt es überhaupt wert, gerettet zu werden? Ich drücke meinen Kopf gegen die Glastür des Ladeneingangs, um diesem Fundamentalismus in aller Öffentlichkeit die Stirn zu bieten.

Meine Ideale werden jäh durch den Druck der Nikotinsucht unterbrochen. Ich mache mich auf den Weg zur nächst gelegenen Tankstelle, um dort den Qualen meiner heroischen Funktion Linderung zu verschaffen. Hierbei begegne ich mindestens drei weiteren Zigarettenautomaten, an denen ich am liebsten Fünfe gerade sein lassen würde, um meine Hirnwindungen mit vier Euro milde zu stimmen. Ist Geschmack nicht nur ein kümmerlicher Versuch, charakterliche Defizite mit diesem Luxus zu verwässern? Die gedankliche Manifestierung meiner Rettungspläne im Konflikt mit meiner Introversion hängt nämlich schon schwer in meinen Beinen. Der nächste Schritt zur großen Tat ist kaum noch zu verdrängen. Ich beiße fest in meine Unterlippe. Nur kurz übertönt der Schmerz die innere Stimme des Märtyrers. Ich schreie auf, praktiziere während einer kurzen Gehpause in einem schattigen Winkel des Bürgersteigs autogenes Training, aber eine Befreiung setzt nicht ein. Wer kann mir jetzt noch helfen? Und warum überhaupt ich? Ausgerechnet hier. Eine Dorfhauptstraße in der niedersächsischen Provinz. Menschenleer. Langsam aber beständig keimt der Wahnsinn in mir auf. Mit lodernden Augen tappe ich im Dickicht der Bedeutungslosigkeit dieses Ortes auf das erlösende Licht der blauen Raute zu.

Schweißgebadet erreiche ich die Tankstelle der Erlösung und atme kurz darauf mit blauem Dunst tief durch. Erst jetzt finde ich zu meiner Ruhe zurück. Was ein Nichtraucher alles im Leben verpasst! Das steht in keiner Relation zu seiner nur statistisch wahrscheinlichen, längeren Lebenserwartung. In etwa sechs Tagen beginnt wieder ein neues Abenteuer. Wenn der neue Tabak alle ist. Das Leben ist eine fortdauernde, harte Probe. Aber zu meistern.

Welt retten: sofort morgen!
Rauchen: geschafft!


Copyright by Michael Scheeper
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Semtext's Selbstdarstellung

Raps und Reflektionen, Gedanken und Spinnereien...

Information




Was nicht wert ist, gesagt zu werden, das singt man. (Pierre Augustin Baron de Beaumarchais, frz. Bühnenschriftsteller, 1732-1799)

Das hier ist schlicht, was die Überschrift sagt. Eine Selbstdarstellung. Manche würden sagen öffentliches Tagebuch im lockeren Wochenrythmus, andere wiederum Textsammlung. Mittlerweile auch Rezeptsammlung für Cocktails. Wasauchimmer.

Es ist und bleibt die Selbstdarstellung eines Hobby-Rappers, Poetry Slammers und freiberuflichen Journalisten aus Oldenburg, der von ganz mittig nach ganz oben will. Mit explosiven Texten, die wie Bomben in den Frieden fetzen. Hatte ich mal gedacht. Deswegen der Name Semtext. Wer's nicht kapiert, bitte einfach mal "Semtex" bei Wikipedia oder im Brockhaus nachschlagen.
Man kann von mir mittlerweile auch Texte korrekturlesen lassen.

.

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skype: semtext. (mit dem Punkt!)


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