Plattenkritik

25
Mai
2009

Zwei schwarze Superhelden.

Mit den oben erwähnten Personen kennt sich der Verfasser des ersten Buches anscheinend so gut aus, dass er seinem Sohn selbiger sein möchte, und das musikalisch eindrucksvoll untermalt auf seinem Album Dis wo ich herkomm, Untertitel: Deutschland Deluxe. Die Rede ist natürlich von Samy Deluxe, dessen wie das Album betitelte Buch(erschienen bei ro ro ro, 8.95 € ) sich heute morgen meiner Aufmerksamkeit erfreuen durfte. Die 218 Seiten waren schnell gelesen, nicht deshalb, weil der Rapper aus Hamburg nichts zu sagen hat, im Gegenteil, sondern weil er es nicht besonders ausführlich tut. Das Buch, von Herrn Sorge in Coproduktion mit dem Journalisten Götz Bühler verfasst, erzählt seine Geschichte vom Anfang im Jahr 1977 bis heute, deutet in nett erzählten Anekdoten viel an, lässt leider aber auch viel aus, und ist manchmal ein wenig zu seicht zu lesen, ein wenig glattgebügelt, ein wenig zu oberflächlich, wo man sich mehr Tiefgang erhofft hätte(beispielsweise über die Anfangszeiten im Eimsbush Bassment, oder aber auch die Zeit zwischen 2003 und 2005, als Samy zum Abziehbild des gemeinen Ami-Rappers wurde). An einigen Stellen stutzte ich richtiggehend, und war mir sicher, Passagen entdeckt zu haben, die Samy auf gar keinen Fall selbst geschrieben hat.

Diese kleinen Wackler schaffen es aber nicht, das Bild des immer noch rappenden, immer noch kiffenden, aber mittlerweile auch politisch denkenden, sozial engagierten Samy zu übertünchen. Nein, sie machen Lust auf mehr. Finde ich. Und es ist alles in allem eine kleine deutsche Erfolgsstory, die in diesem Buch beschrieben wird. Einer, der es von ganz unten nach ganz oben geschafft hat.


Der andere schwarze Superheld ist der mittlerweile mächtigste Mann der Welt: Barack O. aus H. hat 2006 ein Buch geschrieben, durch das ich mich seit einiger Zeit zu kämpfen versuchte. Auf Seite 152 habe ich heute aufgegeben. Der für Amerikaner griffige Titel "The Audacity of Hope" (dt. Die Kühnheit/Verwegenheit, oder Das Wagnis, bzw. Der Mut, zu hoffen/Hoffnung zu haben., der deutsche Titel des Buches lautet: Hoffnung wagen) kommt sehr philosophisch daher, und, ich muss leider sagen, das gut geschriebene Buch, von einer exzellenten rhetorischen Schulung gespeist und daher wirklich angenehm zu lesen, spricht mich einfach nicht an. Der Untertitel Thoughts On Reclaiming The American Dream verrät, wieso: Es ist von einem Amerikaner für Amerikaner geschrieben worden. Deshalb ist es für mich als Deutschen schwierig nachzuvollziehen, gerade die Gedanken über das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (GDP = Gross Domestic Product), generelle Finanzpolitik, und was genau in Amerika alles schiefläuft, interessiert mich auch nicht sonderlich, solange der Mann da bleibt, wo er jetzt ist, und den Laden wieder in Schwung bringt - da bin ich schonungslos ehrlich. Was bleibt, ist die, genau wie die von Samy Deluxe, wirklich interessante persönliche Geschichte, auf die er zwischendurch immer wieder eingeht, denn sie beeinflusst ihn in seinem Handeln, in seinem Tun und Wirken.

Unterm Strich stehen ein etwas weniger gut geschriebenes Buch, das leider auch Umfang vermissen lässt, ich bin mir sicher, dass Samy noch deutlich mehr erzählen könnte, auch und gerade über seine Labelgründung im Jahr 2005, generell über Hip-Hop-Themen und viel, viel mehr, und ein exzellent geschriebenes Buch, für das ich einfach nicht die richtige Zielgruppe, zumindest nicht in diesem Umfang geballter politischer Informationen Zahlen, Daten und Fakten, darstelle. Und, ehrlich gesagt, bezweifle ich auch, dass dieses Buch für den Durchschnittsamerikaner geschrieben ist.

Trotzdem - ich bin von beiden schwarzen Superhelden begeistert. Und wer weiß, vielleicht bringt der eine dem anderen ja noch ein Wenig das Schreiben, und der andere dem einen das Erzählen bei.

16
Dez
2008

Meine Lieblingsplatten dieses Jahr

1. Everlast - Love, War and the Ghost of Whitey Ford
2. Roger - Alles Roger
3. Dendemann - Abersowasvon(Live)
4. Breaking Benjamin - We Are Not Alone (okay, ist von 2004, aber ich hab dieses Jahr zum ersten Mal von der Band gehört)

Außer Konkurrenz: Peter Fox - Stadtaffe (Blöd, dass ich das ursprünglich vergessen hatte...short time memory sucks). Ja, und noch eine großartige CD hab ích vergessen: The Killers - Day & Age. Was mache ich eigentlich in der Zeit, in der ich keine Musik höre? Ich glaube, ich lösche jedes Mal mein Gehirn.

Ferner liefen: Die Kosmoproleten - Ausverkauf.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Das Album ist fertig. Es befindet sich noch in der Postproduktions- und Demo-Erprobungs-Phase...aber dazu mehr, wenn ich wieder in Tübingen bin.

11
Sep
2008

Plattenkritik 4

Breaking Benjamin - We Are Not Alone (Hollywood Records, 2004) 12 Track Bonus Edition

Die Gruppe "Breaking Benjamin" aus Pennsylvania in den USA veröffentlichte mit "WANA" 2004 ihr zweites Studioalbum, und erreichte erstmals die Top 20 der nationalen Album-Charts. Weltweit bekannt geworden durch ihren Soundtrack-Beitrag zum Computer-und Konsolenerfolgsspiel "Halo 2", dem Titel "Blow me away", war der Siberling jedoch nur in den Staaten zu kaufen und ist es bis heute noch nur dort, da der europäische und sonstige internationale Markt aus unerklärlichen Gründen noch nicht erschlossen wurde. Übers Internet gibt es allerdings vielfältige Import-Möglichkeiten, und auch die großen Unterhaltungselektronik-Discounter haben mittlerweile ab und an eine oder zwei Scheiben dieser Kapelle im Rockmusik-Regal stehen. Musikalisch in die Schublade gesteckt werden die Nordstaatler in der Kategorie Post-Grunge, also laute, elektronisch verzerrte, mit dem Establishment unzufriedene oder an Liebesbeziehungen und Drogen zerbrechende Musik seit dem berühmtesten Schrotflintenselbstmord der Musikgeschichte. Nur am etwas melodischeren Gesang und der weniger Hip-Hop-lastigen Sounds grundsätzlich von Nu Metal zu unterscheiden.

Die vorliegende Platte enthält einen Bonus-Track, die 2005er Version des Titels "Rain" und umfasst somit einen Song mehr als die ursprüngliche Langspielplatte, die mit 11 Titeln weder nach oben, noch nach unten Grenzen sprengend war.

Trackliste:

1. So Cold (04:33)
2. Simple Design (04:15)
3. Follow (03:18)
4. Firefly (03:07)
5. Break My Fall (03:25)
6. Forget It (03:37)
7. Sooner or Later (03:39)
8. Breakdown (03:36)
9. Away (03:12)
10. Believe (03:20)
11. Rain (03:27)


Hidden Bonus Track:
12. Rain (2005 Version) (03:24)

Die für eine Rockplatte vernünftige Gesamtspieldauer von 42:53 Minuten wird eingeläutet von sphärisch-verzerrten Riffs auf "So Cold". Dies ist gleichzeitig die erste Single des Albums, und schon nach wenigen Sekunden merkt man, warum. Dieses Kraftpaket aus ruhiger Strophe und energiegeladenem Refrain und ebensolcher Bridge schlägt bei jedem nicht emotional unempfindlichen Menschen, der mit dieser Art Musik auch nur ein klitzekleines Bisschen anfangen kann, die richtigen Töne an. Die Stimme von Frontmann Benjamin (wie sollte er anders heißen) "Ben" Burnley ist in perfekter Harmonie mit dem druckvollen Akustikteppich, der von Aaron Fink an der Leadgitarre geknüpft wird. Es geht anscheinend um eine zerbrechende Beziehung, die nur noch schwer zu retten ist. "Show me how it ends//it's alright//Show me how defenseless you really are//Satisfy an empty inside//That's alright, let's give this another try" Ein Opener, der es in sich hat, nicht zuletzt dank der hypnotisierenden Endsequenz, in der textlich der berühmte letzte Strohhalm beschworen wird: "It's alright - It's alright...". (5/5 Sterne)

"So Cold" ist kaum verklungen, da denkt man, im Intro von "Simple Design" in den Proberaum einer Dark-Black-Gothic-sonstwas-Band gestolpert zu sein, als der Sänger gerade Stimmübungen machte. Die Gitarre dazu klingt eher normalrockig, der Bass nach bewährtem Nu Metal. Das Schlagzeug, gespielt von Jeremy Hummel, der ein Vierteljahr nach Erscheinen dieser Platte die Band im Streit verließ, beschränkt sich hier wiederum auf Hintergrundbeschallung, abgesehen von einer krachenden Snare im mit Powerchords und einem satten Basslauf gespickten Hauptteil. Und das ist auch gut so. So bleibt nach den merkwürdig anmutenden Klängen zu Beginn viel mehr Raum für die melodische Gesangsstimme von Ben Burnley, der sein komplettes Repertoire abruft und bis auf den dahinplätschernden Endteil das Ganze zu einer gelungenen Nummer macht. Erneut mit "It's alright"-Rufen. Warum nicht. (4/5 Sterne)

Mit einem knackigen Instrumentalpart auf dem Bass, bearbeitet von Mark J. Klepaski, und den Gitarren von Fink und Burnley kommt "Follow" um die Ecke. Wiederum ruhiger in der Strophe, und energiegeladen im Refrain ist dies definitiv ein gutes Lied für die Tanzfläche in der Studentendisco, oder zum Mitgröhlen auf dem Konzert (Wechselgesang bei "I follow you - you follow me" erwünscht). Das Ende kommt leider ein bisschen zu abrupt. (3/5 Sterne)

Etwas mehr geduckt, wie zum Sprung bereit, präsentiert sich der vierte Titel, "Firefly"(dt. "Glühwürmchen"). Und genau das, nämich abspringen, kann man herrvorragend im Refrain. Die ruhig eingeleiteten Strophen lassen durch den schnellen Rhytmus die Knie zappeln, und das so lange, bis es einen nicht mehr auf den eigenen vier Buchstaben hält. Der Text hält eine Geschichte über einen Freund bereit, der zunächst wie ein rettendes Licht in der Dunkelheit erscheint, als jedoch dessen Lügen auffallen, wird die Unzuverlässigkeit bemerkt daraufhin im abschließenden, veränderten Refrain angeklagt: "Fuck you firefly//Have you lost your light//Now I hate your ways//'cause they're just like mine//So you lost my friend//such a sorry end//Now I don't know why//so I joke and smile". (4/5 Sterne)

Fehlte bisher noch was? Ach ja, die wirklich melodramatische Seite der Band. Stimmt. Die wird in "Break My Fall" pflichtschuldigst abgearbeitet, textlich mit einem verzweifelten Aufruf an eine dritte Person, die sich doch bitte drum kümern soll, den Fall des lyrischen Ichs zu bremsen, und nicht vor der Situation davonzulaufen. Die Instrumentalisierung dazu ist interessanterweise recht brutal, durchsetzt von ruhigen Atempausen, in denen die Saiteninstrumente eindrucksvoll nachklingen. Dies ist ansonsten auch ein häufig genutztes Stilmittel der Band in anderen Liedern. Die instrumentale Bridge kommt clean gespielt und gibt dem darauffolgenden lauten Teil eine gute Startposition, und das Ende ist genau richtig kitschig, wie ein in Zeitlupe auf die erschlagen am Boden liegenden Körper seiner Familie zustürmender Actionfilmheld. (5/5 Sterne)

Gerade eben hatten wir melodramatisch, dann kommt mit "Forget it"jetzt auch schon der ruhige, zurückgelehnte, leicht resignierende, jedoch sehr melodische Song auf der CD. Und wenn es dabei geblieben wäre, würde diese Platte, das verrate ich jetzt schon mal, deutlich besser bewertet werden. Eine angenehm ruhige Poprock-Nummer, die ein wenig an A-Ha oder andere 80er Schnulzen erinnert, jedoch auf einem deutlich höheren Niveau. Annäherungsweise in Richtung U2 oder Depeche Mode. Und sie passt erstaunlich gut rein und fällt zwischen den lauten Liedern gar nicht auf. Musik für jede Gefühlslage, präsentiert von Breaking Benjamin. (5/5 Sterne)

Und wieder denkt man, dass das vorige Lied noch nicht so richtig vorbei ist, wenn das nächste anfängt. Es beginnt zwar deutlich lauter, und wieder verzerrt, aber geht dann nach den Intro-Sekunden in die sehr ruhig instrumentalisierte Strophe über. Und dieser Text geht unter die Haut:"I want a normal life//just like a newborn child//I am a lover hater//I am an instigator//You are an oversight//Don't try to compromise//I'll learn to love to hate it//I am not integrated" Hier wird einer davongelaufenen Partnerin nachgerufen, und das besonders eindrucksvoll im wiederum sehr energiegeladenen Refrain: "Just call my name//You'll be okay//You're scream is crawling through my veins//
Sooner or later, you're gonna hate it//Go ahead and throw your life away//
Driving me under, leaving me out there//Go ahead and throw your life away//"
Diese Erfahrung hat wohl jeder schon mal gemacht, und in solch einer Situation von einer Band mit einem so druckvollen Titel unter die Arme gegriffen zu bekommen, ist immer eine gute Sache. Die zweite Strophe wirkt ein wenig schizophren, oder aus der entgegengesetzten Perspektive, aber kommt im leicht veränderten Refrain zum selben Schluß wie am Ende von Strophe 1: "Just call my name//You'll be okay//Your scream is crawling through my veins//
Sooner or later, you're gonna hate it//Go ahead and throw our life away//
Driving me under, leaving me out there//Go ahead and throw our life away."
(5/5 Sterne)

Abgesehen von den lauteren Instrumentalparts und dem Pre-Chorus plätschert das nun folgende Lied, "Breakdown", mehr oder weniger dahin, wenn man das hohe Niveau der vorigen Songs als Maßstab nimmt. Ungewohnt klingt der mehrstimmige Gesang im Chorus, und er ist auch nicht so melodisch wie normalerweise üblich. Der Text ist vom Niveau her zwar weit oben angesiedelt, trotzdem kriegt die bis dahin nahezu makellose Bilanz des Albums an dieser Stelle einen kleinen Kratzer. (3/5 Sterne)

In gewohnter Lautstärke und Vehemenz beginnt "Away", um in der Strophe deutlich darunter abzusacken, und dies im Refrain, der wieder genau so ist, wie man es von fast allen in der Titelliste angesiedelten Song gewohnt war, wieder auszugleichen. Und diesmal kommt auch die ruhige Strophe gar nicht so schlecht rüber. Der Gegensatz macht's in diesem Fall aus. Melodischer Gesang, leichte anzumerkende Verzweiflung, gute Gitarrenriffs und gefühlt zum ersten Mal ein Schlagzeug, das sich vom Hintergrund aus wirklich weit nach vorne lehnt und so unweigerlich zum Headbangen einlädt. (4/5 Sterne)

Der zehnte Titel lässt das Raumschiff U.S.S Breaking Benjamin in ungeahnte Sphären vorstoßen. Es hatte sich auf den vorherigen Liedern an der ein oder anderen Stelle angedeutet, und hier wird die Flexibilität der Soundeffekte vollends ausgenutzt, zumindest was den Gesang angeht: Mit elektronisch verzerrter Stimme, die vor dem ungewohnt rauhen Rockbrett, das dazu gespielt wird, sehr an American Head Charge erinnert, wird an passenden Stellen gegrowlt und gescreamt, was das Zeug hält, immer wieder gut von kurzen, melodischen Zeilen durchwachsen. "Believe" ist wiederum ein Lied zum Abgehen, aber richtig. (5/5 Sterne)

Und wenn die Platte mit diesem Titel geendet hätte, niemand hätte es schlimm gefunden, man wäre beglückwunscht worden für die druckvollen Ein- und Ausgangstracks, für die stimmige Auswahl, genau den richtigen Mix aus laut und leise, rockig und ruhig, und so weiter. Doch nun folgt Folter in zweifacher Ausgabe. Anscheinend war der Gitarrist gerade Kaffee oder Jack Daniels kaufen gegangen, und hatte den Schlagzeuger mitgenommen, als Ben Burnley im Studio eine akustische Gitarre herumliegen sah. In allerbester Woodstock-Tradition sah er aus dem Fenster, und bemerkte die Regentropfen, die die Scheibe hinab liefen. Und das mitten im Frühling! Sofort war die Idee gefasst, der Text geschrieben, und ratz-fatz in Eigenregie aufgenommen. Noch einmal die Sounddatenbank nach passenden, schnulzigen Streichern durchsucht und digital dazugepatscht, und fertig ist der Anti-Regentanz der Neuzeitindianer. "Rain" ist nicht ein Loblied auf denselben, sondern hat im Grunde nur eine Aussage, die im übertragenen Sinne gar nicht so schnulzig klingt, wie mit dieser Musik unterlegt: "Rain, rain, go away//Come again another day//All the world is waiting for the sun.". Schnulziger Totalausfall. (0/5 Sterne)

Wie schon angemerkt, kommt die Folter in zweifacher Ausführung. Das hätte auch sinniger geregelt werden können, "Rain" in die Mitte des Albums verlegen, oder einfach komplett wegschmeißen, denn als Lied 12 kommt wiederum "Rain", diesmal in der Version von 2005, daher. Diesmal mit dem selben schnulzigen Text, allerdings haben anscheinend die restlichen Bandmitglieder ihren Frontmann in der Zwischenzeit zur Raison gebracht, denn dieses Mal ist das Resultat nicht halb so schnulzig. Schlagzeug, und später sogar cleane elektrische Gitarren, sorgen für eine halbwegs annehmbare Atmosphäre, wenn nicht diese schnulzigen Streicher im Hintergrund immer noch wären, und der dämliche Text wenigstens ein bisschen verändert worden wäre. Immerhin, dem Chorus gewinnt man in der Variante, in der er kurz vor Ende des Liedes gespielt wird, tatsächlich etwas ab. Ein Lied für Konzerte, bei denen Unmengen Feuerzeuge angezündet werden sollen. Immerhin. Mit Zähneknirschen den Eindruck der älteren Version ausblendend, gibts hier 2/5 Sternen, weil der ruhige Part so unglaublich quälend ist.

Die Sterne zusammengezählt, gibt es für die komplette Platte summa summarum 3,75 Sterne im Schnitt. Dies ist einzig und allein dem Totalausfall "Rain" zu verdanken, sonst wäre man ohne Probleme über 4 gekommen. Aber da der gute Gesamteindruck auch von den beiden Schulzen am Ende nicht übermäßig getrübt wird, gibt es von mir dafür noch 0,2 Sternchen dazu, und damit sind wir bei respektablen 3,95 von 5 Sternen. Danke für die Aufmerksamkeit.

31
Aug
2008

Mal ne alte Plattenkritik zum Anfang, bevor ich mich da wieder reinstürze.

Linkin Park vs. Jay-Z - Collision Course

Mit einem sehr griffigen (weil stabgereimten) Titel kommt das bisher beste Crossover-Album der amerikanischen Musikgeschichte daher. Die Zahlen sprechen sowohl dafür, als auch dagegen. Auf der positiven Seite stehen Jay-Z und Linkin Park, Gewinner zahlreicher Grammies und Veröffentlicher ungezählter Doppel- bis Vierfachplatin-prämierten Schallplatten, sowohl als Musiker, als auch als Talententdecker und Produzenten. Auf der positiven Seite stehen ebenfalls sechs Songs, die jeweils von der ersten bis zur letzten Sekunde schwer zwischen Genie und Wahnsinn schwanken. Dem gegenüber stehen ebenfalls sechs Songs. Aber nicht, weil das die sechs schlechten auf diesem Silberling sind, es sind tatsächlich die gleichen wie die, die auf der positiven Seite stehen, allerdings schlagen sie auch negativ zu Buche, aus dem kühlen Grunde, dass es einfach nicht zu mehr gereicht hat.

Doch hübsch der Reihe nach:
Furios startet die Platte mit Dirt Off Your Shoulders/Lying From You. In dieser Neuauflage rapt LP-Rapper Mike Shinoda mit gewohnt konstantem Flow die ersten sechs Zeilen über den Jay-Z-G-Funk-Klimperbeat, und direkt danach kommt die erste erwartete Überraschung: Jay-Z auf Rockmusik, also richtiger Rockmusik in diesem Fall, nicht wie auf Numb/Encore geht richtig gut klar.

"If you're feeling like a pimp, nigga, go and brush your shoulders off", ja, da möchte man sich doch glatt über die eigene Schulter wischen, um imaginären Staub zu entfernen. (*****/*****)


Als zweites schickt die von MTV MASH quasi ins Leben gerufene Combo Big Pimpin'/Papercut ins Rennen. Und hieran scheiden sich die Geister. So schreibt zum Beispiel mein ehrenwerter Kollege bei www.laut.de folgendes:

Auf den Restmüll wandert die Melange aus "Big Pimpin'/Papercut". Nichts passt zur eher fröhlich anmutenden Flötenmelodie weniger als Zeilen wie "It's like I'm / paranoid lookin' over my back / It's like a / whirlwind inside of my head", düdeldü und trallala.


Ich hingegen finde die Idee wahnsinnig geil. Gerade so ein "paranoider" Track wie Papercut auf dem verplant- entspannten Big Pimpin' Beat ist doch die ideale Zurschaustellung der "guten Seite" eines paranoiakranken, der normalen, der entspannten. Und wer es lieber geisteskrank mag, hört dann eben die Rockversion vom "Hybrid Theory" Album, die übrigens mindestens genau so gut gefällt. Was allerdings lahm ist, ist dass wirklich gar kein Rockelement eingebaut wurde. Und nichts von den genialen Rap-Strophen von Mike Shinoda, oder Chesters(im positiven Sinne) trommelfellsprengenden Gesang, doch das wird durch Jay-Z's Entspanntheitsfaktor hoch hundert zu 90% kompensiert. Kein Wunder - es ist ja sein Beat. Mehr Platz für Linkin Park's Texte auf dem Song und es hätte nicht nur 3/5 Punkten bekommen. (***/*****)
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Der dritte Titel, Jigga What/Faint lässt Jay-Z mal richtig tief in die Trickkiste greifen. Um nämlich seine langen Rap-Zeilen auf dem recht angezogenen Tempo des Schlagzeugs bringen zu können, ohne vom Takt abzurutschen, muss der Jigga bisweilen schon fast spitten. Doch auch dies steht dem Mann aus Brooklyn verdammt gut, auch wenn er es in seinen eigenen Liedern ja eher entspannter mag. Und die energiegeladene Bridge, wie gehabt mit Chester schreiend bis zum Ohnmachtsanfall, aber trotzdem noch erstaunlich melodisch, bleibt den Rockern auch mit den fetten verzerrten Gitarren erhalten. Top-Bewertung für dieses eingängige Crossover-Rockbrett. (*****/*****)
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Wer in den vergangenen Wochen MTViva geschaut hat, wird um dieses Lied außer durch konsequentes Umschalten nicht drumrumgekommen sein. Numb/Encore läutet die zweite Halbzeit der 6-Track-EP ein und geht genau wie schon "Numb" alleine direkt ins Ohr.
Am Anfang des Liedes mag man an einen CD-Fehler glauben, aber es ist alles beabsichtigt. Keine Angst, die frisch gekaufte Silberscheibe ist vollkommen in ordnung, das ist nur das Intro und digitales Tastendrücken von Joseph Hahn am DJ-Pult bei Linkin Park. Jay-Z und Linkin Park bilden hier eine absolut perfekte Symbiose. Klar, war doch auch dieses Lied der Stein des Anstoßes für die Collabo, da hat man an diesem Schmuckstück im Studio ein paar Extraschichten draufgelegt. Wegen Nerverei auf Dauer gibts vier von fünf Sternen. (****/*****)
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Izzo/In The End
heißt der fünfte Track, und vom Beat her, der zu Anfang läuft, fangen die Knie schon von ganz alleine an zu schwingen, und Jays bombensicherer Nuschel-Flow-Halbfreestyle rockt in gewohnter Coolness direkt darüber. Hm. Aber das hat er doch schon vor vier Jahren gemacht! Wo bleibt Linkin Parks Beteiligung, fragt man sich nach 1:20 Minuten immer noch. Aber dann darf Mike Shinoda doch noch ran! Und er darf beweisen, dass er zwar rappen kann, aber für Rap-Beats zu kurze Zeilen schreibt, und dehnt diese dementsprechend, um immer auf den Takt zu kommen. Naja, und dann ist die muntere Klimperei auch schon vorbei. Wie schon "In The End" kein Lied zum genauer hinhören, aber absolut gute Hintergrundmusik. Und guter Rap. Aber das stand ja von vornherein fest...(***/*****)
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Und nun der rockversprechendste Track des ganzen Schallerzeugnisses: Points Of Authority/99 Problems/One Step Closer. Gleich zwei Rockbretter allererster Sahne plus Jay-Z's Text der schon auf dem "Grey Album" auf Beatles-Musik am Besten rüberkam. Und hier beweist sich, was man mit einem Jay-Z-Acapella und Rockgitarren wirklich machen kann. Bombe. "i got 99 problems, being a bitch ain't one". Bei 3:38 Minuten kann man diese leichte Umänderung des Refrains sehr gut hören, und ich habe auch kein Problem damit, eine Bitch zu sein, und diesem Meisterwerk 5 von 5 Punkten zu geben.(*****/*****)


Fazit: Super Musik zum Autofahren mit Subwoofer. Klasse für Hiphopper, die auch mal die Haare durchschütteln wollen. Für Fans definitiv empfehlenswert.

Klar sollte auch sein, dass das trotzdem nicht für Metaller geeignet ist, die mit Phrasen wie "Fuck Nu, Stay True" u.v.m. Linkin-Park-Auftritte mit Sitzblockaden verhindern möchten. Aber jedem nicht allzu engstirnigen Menschen sei diese Platte (oder auch DVD) sehr ans Herz gelegt.

4,2 Sterne, das bedeutet dann 4 Sterne auf der nach unten offenen Tightness-Skala! Dass es nicht zu fünf Sternen gereicht hat, dagegen spricht auch einfach die (zu kurze) Länge (21 Minuten, 15 Sekunden). Aber fett ist es auf jeden Fall.

Noch was altes...

Everlast – White Trash Beautiful (Island/Def Jam Music Group, 2004)

Dass der erklärte Redneck und Countryboy Everlast, auch bekannt unter dem Pseudonym „Whitey Ford“, alles andere als eine Eintagsfliege ist, hat er bereits mit den beiden Vorgängeralben „Whitey Ford Sings The Blues“ und „Eat At Whitey's“ bewiesen. Sein dritter Longplayer zeigt, dass er sich vor und hinter niemandem verstecken muss, wenn es darum geht, den von ihm selbst populär gemachten Stil des Spoken Word/Blues/Rap auf von eingängigen Riffs und Loops auf der akustischen Gitarre begleiteten Hip Hop-Beats mit wummernden Bassdrums und bombigen Basslines in seiner vollen Ausgewachsenheit zu zelebrieren.

Die Thematik der Texte bleibt simpel bis traurig, es geht meist um Liebe („Maybe“), oder die Abwesenheit der solchen („Sleepin' Alone“, „This Kind Of Lonely“, „Lonely Road“), oder um soziale Dramen um Unterschichtbereich („Blinded by the Sun“, „2 Pieces Of Drama“) oder gar um beides bzw. alle drei auf einmal („White Trash Beautiful“, „Pain“, „Ticking Away“). Und das, ohne dabei wirklich langweilig zu werden, oder inspirationsarm zu wirken. Wer mit dem Musikstil generell nicht viel anfangen kann, der wird wahrscheinlich die Monotonie dieses Tonträgers mit dem Meißel in die Felswand gestanzt sehen, jedoch ist dies nur für den oberflächlichen Zuhörer so. Denn Erik Schrody, wie Everlast mit bürgerlichem Namen heisst, macht aus dem einfachen Konzept „Beat + Bass + Akustikgitarrengeschrammel + Scratches + Spoken Word/Rap“ jedes Mal wieder eine Neuerfindung. Viele werden sich sicherlich noch an seine Durchbruchs-Hits erinnern, das sozialkritisch-politisch korrekte „What It's Like“ und das mit Gitarrengott Santana eingeklimperte „Put Your Lights On“ waren jedoch nur Meilensteine auf dem Weg zu diesem Monumentalwerk, das im Frühjahr 2004 auf den deutschen Markt kam.

Das erwähnt simple Konzept trägt maßgeblich zum hohen Easy-Listening-Faktor dieses musikalischen Machwerks bei und lässt auch den zufälligen Hörer im Vorbeigehen spontan mit dem Kopf zum Rhythmus nicken, Grundinteresse vorausgesetzt. Trotz der durchaus negativen Grundstimmung mancher Lieder ist dieses Album durchaus eine Bereicherung für Regentage wie für Cabriofahrten, für das Kaminfeuer im Wohnzimmer und das Lagerfeuer am Baggersee. Man kann es durchaus hören, wenn gerade eine Beziehung in die Brüche gegangen ist, oder kriselt, jedoch genauso, wenn es gerade gefühlsmäßig im positiven Sinne hoch her geht. Im Großen und Ganzen ist es nicht stimmungsheischende, sondern eher stimmungsunterstützende Musik.

Überraschenderweise, für einen Bluesrapper wie Everlast.

Bewertung: Schulnote 2+

1.Blinded By The Sun
2.Broken
3.White Trash Beautiful
4.Sleepin' Alone
5.The Warning
6.Angel
7.This Kind Of Lonely
8.Soul Music
9.God Wanna
10.Lonely Road
11.Sad Girl
12.Ticking Away
13.Pain
14.2 Pieces Of Drama
15.Maybe

Und noch was altes...

Kings Of Leon - Aha Shake Heartbreak


Eines vorab: Diese Platte hat mich total in ihren Bann gezogen. Eine objektive Bewertung ist daher nicht in vollem Umfang möglich. Ich werde aber so sachlich wie möglich bleiben, und überflüssige Adjektive vermeiden.

Himmelkreuzdonner! Da taucht mein verwuschelter Indierockkumpel letztens mal mit der üblichen Sieht-aus-wie-14-Tage-Siff-ist-aber-in-Wirklichkeit-heute-morgen-gewaschen-Frisur bei mir vor der Tür auf und grinst wie ein Model aus der Zahnpastawerbung(gut, die verwaschenen Levi's passen nicht dazu, und die erwähnte Frisur ist sowieso voll für'n Arsch, aber er ist eben abgesehen davon mein bester Kumpel). Naja, der Grund, warum er so grinst, ist erstens plakativ auf seinem T-Shirt abgedruckt, und befindet sich zweitens in seiner Hand. Eine CD-Hülle. Auf beiden prangt das selbe Motiv, eine Orchidee auf weißem Grund. "Okay, er hört jetzt Entspannungsmusik. Kein Grund zum Durchdrehen." sage ich mir im ersten Moment, aber nachdem er die Scheibe dann in den CD-Player in der Küche geworfen hat und wir es uns erst einmal bei einer Kanne schwarzem Kaffee und einigen Aspirin gemütlich machen(es ist schließlich noch früh am Morgen, so zirka 14 Uhr), schallt da also dieses "Etwas" durch meine Gehörgänge. Ich glaube, das Aspirin hat meine auditiven Rezeptoren beeinflusst, es mißfällt mir gar nicht so sehr, was ich da höre. So kam ich überhaupt in den zweifelhaften Genuss, diese Platte kritisieren zu dürfen.

Genug des Geplänkels - ich bin Fan geworden.

Die Scheibe aus dem letzten Jahr(ich meine, man nannte es 2004) knüpft angeblich (laut www.laut.de) in keinster Weise an das Vorgängeralbum von 2003 an. Aber muss das sein? Egal. Wenn das Vorgängeralbum noch rockiger gewesen sein soll...wieso...ach, egal.

Slow Night, So Long. Klingt irgendwie langweilig, alleine wenn man es schon liest. Tja, und damit wären wir auch schon beim Grundgegensatz angekommen, der die Kings Of Leon verhärteten Metallern neben der gewöhnungsbedürftigen Stimme des Frontmannes richtig vermiesen dürfte. Wie eingangs bemerkt, es ist definitiv keine Musik zum Abgehen, eher was, was man sogar beim Abendessen mit Mama und Papa(vorausgesetzt diese sind jünger als 65) hören kann, und das ganze ein wenig moderner aufgepeppt. Der Opener zeigt auf 3:54 Minuten die ganze Palette der Kings-Fertigkeiten. Grandiose und auch energiegeladene Instrumentalparts wechseln sich mit - wie schon erwähnt - gewöhnungsbedürftigen Gesangspassagen vor weniger treibender, von Sixties/Seventies-Gitarren dominierter Rockmusik ab. Und ganz am Ende kommt dann wieder eine ruhige Phase, die das Gutenachtlied wunderschön abschließt. Wegen Eingewöhnungsfaktor: (****/*****)
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Das darauffolgende, nur fast halb so lange Stück King of the Rodeo bringt in den 2:25, die viel länger im Ohr nachklingen, tanzbare, gut produzierte Studioklänge, und auch der Gesang ist nicht so verquietscht wie beim ersten Stück. Insgesamt durchweg gut, und die hier dominierende erste Gitarre spielt abwechselnd zwei sehr im Ohr klebende Parts, die auch nach einstündiger Wiederholung immer noch interessant klingen(Erkenntnis aus Selbstversuch . Trotzdem fehlt immer noch das gewisse Etwas, was dieses Stück auf die 5-Punkte-Ebene katapultiert. (****/*****)
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Der inoffizielle Titeltrack des Albums, zumindest kommt der Titel des Albums im Songtext vor, ist eine eher dahinplätschernde garage-angerockte Variante von...Jet, um es zu kategorisieren. Taper Jean Girl hat durchaus Radiohitchrakter, allerdings wird es erst zum Ende hin Kings-typisch energiegeladen, und die zwei eher langweiligen Minuten vorher werden davon nicht komplett ausgeglichen. (***/*****)
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Herzlich willkommen im Land der Lieder knapp über zwei Minuten. Nein, wir reden hier nicht von Linkin Park, deren Alben auch immer ähnlich kurz sind. Bei denen merkt man das nämlich. Die Kings Of Leon verstehen es meisterlich, Material für ein 5-Minuten-Lied in einem Song zu verpacken, der manchmal sogar weniger als die Hälfte dieser Zeit braucht, und - steinigt mich - aber es fällt einfach nicht auf, dass die Tracks so verdammt kurz sind! So auch beim 2:20 langen, wiederum gut tanzbaren Pistol of Fire. Und dieses Stück knackt die 5-Punkte-Grenze. Aufgrund oben genannter harter Fakten, nämlich illusionistischer Meisterleistung von doppelt soviel Musik in der Hälfte der Zeit. (*****/*****)
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Als nächstes präsentiert die Kapelle einen ihrer eigenwilligsten Songs. Milk ist erstens vier Minuten lang, und damit der längste Track auf dem gesamten Album, zweitens drücken sich hier brilliant gesetzte ruhige Phasen mit unter die Haut gehendem Gesang, auch wenn man beim ersten Hören den Text leicht mit Hundegejaule verwechseln könnte mit dynamischen Instrumentalpassagen die Klinke in die Hand. Dass dieses Lied sich irgendwie kürzer anhört als die 2:20er vorher, liegt an den langen Ruhephasen zwischendurch. Trotzdem erhalten die Kings of Leon hierfür fünf Sterne, da sie sich auf eher unbekanntem Terrain, nämlich guter, und doch nicht wirklich zum Tanzen geeigneter Musik, die trotzdem immer noch Rock'n'Roll ist, beachtlich schlagen. (*****/*****)
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Ein sehr an die Beatles erinnernder Gitarren-Auftakt, der dann von Kings-typischen Drums und Bässen ergänzt wird, macht direkt beim ersten Hören Lust auf mehr. Mittlerweile hat man sich auch an den schrecklichen Akzent des Sängers gewöhnt, und versteht auf Anhieb etwas vom Text, wenn man die Scheibe brav der Reihe nach durchgehört hat. Und auch hier zeigen sich die Stärken der Band ganz klar. Hypnotisierend einfache, und doch geniale Gitarrenriffs bzw. Bassläufe und dazu die außergewöhnliche Stimme des Frontmannes über sehr dezent in den Hintergrund gemischte Drums, die dem ganzen aber keinen Abbruch tun, sich im Gegenteil perfekt einfügen. Eingängig, Glieder zucken lassend, vermittelt Bucket den jugendlich-unanständigen Wunsch, dass die Partnerin die Brüste auf dem Rücken haben sollte, zumindest auf dem Tanzparkett. 5 Sterne. (*****/*****)
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Soft ist wiederum Rock'n'Roll wie ihn Elvis geliebt hätte. Da stehen selbst die Beatles Spalier, wenn die vier jungen Amerikaner von den Kings Of Leon hier wie Altmeister der Saalunterhaltungsmusik auftrumpfen. Und das mit durchaus pornographischem Text, den man ja zum Glück nicht verstehen muss. Ohne Widerrede: (*****/*****)
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Der nächste Titel ist wiederum einer, der viel länger klingt, als er ist. 2:15 zum Teil sogar nach Ska klingende Gitarrenrhytmen machen viel Spaß beim Hören und stören in dieser Form nur sehr empfindliche Mamas und Papas beim Abendessen. Razz zeigt, dass die Symbiose zwischen 60's und heute eindrucksvoll gelungen ist, dafür gibt es fünf Sternchen, unterstützt von Bob Marleys Gitarrist.(*****/*****)
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Auf dem Schnapszahl-Track Nr. 9 (Länge 3:33 Minuten, wer erkennt die tolle Quersumme zuerst?) wird dann eine ganz andere Tonart angeschlagen. Day Old Blue ist so, wie er heißt, die ersten achtzig Sekunden lang noch traurig, und dann fällt plötzlich ein, dass das ja irgendwie doch nur von gestern war, und es darf fast bajuwarisch gejodelt werden. Dann kehrt die Traurigkeit zurück, aber was wäre ein Album einer Rock('n'Roll) Band ohne ein Lied bei dem die lange zurückgehaltenen Tränchen kullern dürfen? Nun ja, dieses hier ist eins von der Sorte, auch wenn es zum Ende hin dann ins verzweifelt fröhlich-Halbagressive abrutscht. (****/*****)
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Four Kicks ist (Überraschung!) zwei Minuten und neun Sekunden lang, rockt aber auch wie eine Eins und so ist der kürzeste Track auf der Platte noch lange nicht zu kurz. Dazu kann man sogar, wenn man nicht zu legalen Rauschmitteln wie Jack Daniels und Konsorten gegriffen hat, im Instrumentalpart richtig gut abgehen. Das Ende lässt den Gesang allerdings in der Luft stehen, da hätte ein weiterer rockig-psychedelischer Instrumentalpart mehr genutzt als geschadet. (***/*****)
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Direkt danach präsentiert man dem Zuhörer den zweitkürzesten Track der Langspielplatte, und dieser ist nur zwei Sekunden länger als der vorige. Trotzdem kommt dieser bisweilen countryartige Teil der musikalische Abendunterhaltung namens Velvet Snow sehr stimmungsvoll daher, und rockt auch noch länger als die angegebene Spieldauer durch das Innenohr des Hörers. Wie bei King of the Rodeo fehlt jedoch das gewisse Etwas. (****/*****)
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So, und nun sind wir ganz tief unten. Rememo ist wahrscheinlich der langsamste Song auf diesem Album, und wenn man ihn anhört, kommt er einem wie das langsamste Lied der Welt vor. Von Vorteil ist dies insofern, als dass man wirklich mal Augenmerk auf den Text legen kann. Und auch das halb karibisch anmutende Gitarrensolo kann die triste Stimmung nicht verscheuchen, was aber nicht negativ zu sehen ist, im Gegenteil: Dieses Lied ist dafür da, wenn man sich richtig mies fühlt und es gerne hätte, dass es noch eine Zeit lang so bleibt. Dann ist dieses Lied ideal und erntet 5 Punkte. Anzumerken ist, dass es mit 3:22 weit über der ansonsten normalen Durchschnittslänge bleibt. (*****/*****)
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Das letzte Lied eines Tonträgers ist ja meist als ein gesungenes "Good-bye, until next time" an die kaufenden Fans zu verstehen, und auch Where Nobody Knows macht da keine Ausnahme. Glaubt man. Wenn man dem Text den man meint zu hören, glauben mag, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Anscheinend geht es hier darum, eine irgendwie nervige Freundin loszuwerden: "I'll be droppin you where nobody knows." Und das vor einem so verspielt-fröhlichen Akkordkonstrukt. Wahnsinnig (im doppelten Sinne) schizophren cool. Also, das Lied, nicht die Handlung, und trotz ihrer ist das Ganze ein toller Abschiedstrack, und man meint, dass nach etwas über 37 Minuten Gesamtspielzeit mehr als eine Stunde vergangen ist. (****/*****) Dieser letzte ist übrigens ein Bonustrack, also nicht wundern, wenn den nicht jeder auf seinem Silberling findet.

Fazit: Rein rechnerisch kommen die Kings auf 4,31 Sternchen, aber weil der Gesamteindruck einfach geil und nicht störend kurz ist, wie die eigentliche Gesamtlänge vermitteln mag, bin ich gnädig und pack da noch eine Forelle mit bei: +0,2 Sterne für Gesamteindruck. Und damit sind wir bei 4,51 und das bedeutet, streng nach Adam Riese aufgerundet: 5 verdammte Sterne!

Kaufen. Hören. Fliegen.

Außer eines oder mehrere von folgenden Merkmalen trifft (treffen) auf sie/dich zu:

Engstirnigkeit
Unlust zur Freude
Kein Spaß an Rock'n'Roll
Metallica-Fan
Nirvana-Fan
Laktoveganer
Nichtraucher
Skinhead
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Semtext's Selbstdarstellung

Raps und Reflektionen, Gedanken und Spinnereien...

Information




Was nicht wert ist, gesagt zu werden, das singt man. (Pierre Augustin Baron de Beaumarchais, frz. Bühnenschriftsteller, 1732-1799)

Das hier ist schlicht, was die Überschrift sagt. Eine Selbstdarstellung. Manche würden sagen öffentliches Tagebuch im lockeren Wochenrythmus, andere wiederum Textsammlung. Mittlerweile auch Rezeptsammlung für Cocktails. Wasauchimmer.

Es ist und bleibt die Selbstdarstellung eines Hobby-Rappers, Poetry Slammers und freiberuflichen Journalisten aus Oldenburg, der von ganz mittig nach ganz oben will. Mit explosiven Texten, die wie Bomben in den Frieden fetzen. Hatte ich mal gedacht. Deswegen der Name Semtext. Wer's nicht kapiert, bitte einfach mal "Semtex" bei Wikipedia oder im Brockhaus nachschlagen.
Man kann von mir mittlerweile auch Texte korrekturlesen lassen.

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skype: semtext. (mit dem Punkt!)


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