2
Feb
2010

Einen...öh, fünfundzwanzigfachen Tullamore Dew, ohne Eis, bitte.

Diese Geschichte datiert schon etwas länger zurück, aber ich denke, sie ist ein guter EInstieg für den Barkeeper's Blog. Moment, noch eben passende Musik anmachen, dann gehts auch schon los: Bush - Comedown(Live) präsentiert: Die Tullamore Dew Geschichte.

Es trug sich zu in einer vernebelten und kalten Novembernacht, ganz genau weiß ich es nicht mehr, und es war wahrscheinlich ein Samstag. Aber festlegen will ich mich da nicht. Auf jeden Fall war die Theke mit 4 Leuten gut besetzt, soweit ich mich erinnere waren Freddy, Dany und Anne außer mir anwesend, und auf der Tanzfläche und drumrum tummelten sich um die 250 Gäste. Zu Stoßzeiten musste der Eine oder Andere da sicherlich etwas länger als 30 Sekunden darauf warten, dass die Bestellung verarbeitet wurde. Ein Kamerad war erstens pleite, und zweitens dachte er, er wäre clever. Nachdem er sich von mir schon eine Halbe [bezahlt mit einer gut abgezählten Hand voll Kleingeld kleiner gleich 50 Cent-Münzen] ohne Pfand erbettelt hatte, diese ganz artig an der Theke getrunken und das Glas - ohne Pfand zu reklamieren - an mich zurückgereicht hatte, hatte ich ihn aus den Augen verloren.

Einige Zeit später, es wird so ne knappe Stunde gewesen sein, sah ich ihn dann aus dem Herrenklo kommen, und anscheinend begegnete ihm in diesem Moment ein guter Freund [oder auch ein flüchtiger Bekannter, ist in der Disco ja an der Art der Begrüßung nicht wirklich zu unterscheiden]. Jedenfalls hatte ich gerade kein Getränk einzuschenken und deswegen Zeit, diese Begegnung aus zufällig gewecktem Interesse weiter zu beobachten. Naja, und, was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt. Der Pleitegeier zeigte sich seiner Bekanntschaft gegenüber recht freundlich, griff er doch in die Tasche seiner Baggypants und zog eine Flasche etwa zu 1/3 heraus, um sie verschwörerisch zu zeigen. Ne Flasche mit Alkohol in der Tasche, in der Disco? Prinzipiell ne gute Idee, hab ich früher auch gemacht, wenn ich nicht flüssig war und trotzdem etwas trinken wollte. Aber, Moment: Das ist doch Tullamore Dew, unser zweitbester irischer Whiskey! Kein Wunder, dass der Mann kein Geld mehr für Bier hat, kostet die Flasche doch im Einzelhandel nochmal 4-6 Euro mehr als bei dem verlinkten Internethändler. Eine solche Investition reißt ja bei sonem 19-Jährigen schon mal ein Haushaltsloch. Und erst wollte ich ihm die Jugendsünde durchgehen lassen, doch dann zog ein innerer Instinkt meinen Blick auf die andere Seite der Theke, zu unserem Whisky- und Whiskey-Regal. Das ist an der kürzesten Seite der Theke mit dem Rücken zum Publikum befestigt, ein wenig raumteilermäßig, und wie ich dachte, auf eben jener Rückseite mit einer Glasscheibe abgesichert, so dass man nicht von außen hineingreifen kann.

Pustekuchen. Wie ich später herausfand, war es mit einem Drahtgitter "abgesichert", das auf einer Seite nur leidlich befestigt gewesen war, und, um wieder zur aktuellen Handlung zurückzuspringen, ich schaute also dort hinüber und stellte aus gut 15 Metern ohne Fernglas mühelos fest, dass die Tullamore-Flasche aus dem oberen linken Fach fehlte.

Wie von der Tarantel gestochen sprintete ich los, in die Richtung, wo ich den jungen Mann Sekunden zuvor hatte verschwinden sehen, zum Außen- und Raucherbereich. Fünf Schritte trennten den jugendlichen Dieb noch von der Tür, als ich ihn von hinten "zärtlich" umarmte, mit links in den Schwitzkasten nahm und mit rechts die Flasche griff, die er mittlerweile ungeniert offen in der Hand hielt. In diesem Moment kam zufällig Nils vorbei, einer unserer Türsteher, der privat vor Ort war und eigentlich feiern wollte, allerdings war mir das in dem Moment egal. Nachdem ich den Whiskeyklauer mit Kommentaren wie "Die Flasche bleibt gefälligst bei mir!" und, frei nach Dikembe Mutombo: "Not in my house! Not on my watch, sucker!" schon psychologisch weichgeklopft hatte, reichte ein kurzer Schubser in die weit geöffneten Arme des Offensive Tackle (American Football) der Stuttgart Scorpions (1,95 m, 155 kg), und die gebellte Anweisung: "Raus mit dem Kerl!", dass der Abend ab da seinen gewohnt normalen Gang nahm.

Die etwa zu 4/5 volle Flasche kann man heute noch bei uns im Whiskeyregal (rechts im Bild) bewundern. ;)

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Semtext's Selbstdarstellung

Raps und Reflektionen, Gedanken und Spinnereien...

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Was nicht wert ist, gesagt zu werden, das singt man. (Pierre Augustin Baron de Beaumarchais, frz. Bühnenschriftsteller, 1732-1799)

Das hier ist schlicht, was die Überschrift sagt. Eine Selbstdarstellung. Manche würden sagen öffentliches Tagebuch im lockeren Wochenrythmus, andere wiederum Textsammlung. Mittlerweile auch Rezeptsammlung für Cocktails. Wasauchimmer.

Es ist und bleibt die Selbstdarstellung eines Hobby-Rappers, Poetry Slammers und freiberuflichen Journalisten aus Oldenburg, der von ganz mittig nach ganz oben will. Mit explosiven Texten, die wie Bomben in den Frieden fetzen. Hatte ich mal gedacht. Deswegen der Name Semtext. Wer's nicht kapiert, bitte einfach mal "Semtex" bei Wikipedia oder im Brockhaus nachschlagen.
Man kann von mir mittlerweile auch Texte korrekturlesen lassen.

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