1
Mrz
2007

Folge 2

Raschel. Kratz. Reiß. Nein, nicht Reiß...aber es hört sich so an*.

Sizilium war kurz davor, eine weitere bahnbrechende Formel, mit der man die zufällige Bewegung von Groß-A-Tuin im Multiversum hätte berechnen können, zu vollenden, als ihn ein Sonnenstrahl an der Nase kitzelte. Flugs schloss der Troll die Augen, und tastete sich zur Tür des Leichenschauhauses. Schnell** war er drinnen und bewegte sich ins Zentrum der Kühlkammer, um den Bleistift erneut aufs Papier zu setzen und in halsbrecherischer*** Geschwindigkeit weiterzuschreiben. Endlich vollendet, klappte Silizium das Blatt um, nicht ohne vorher mit Genugtuung zu merken, dass der Bleistift diesmal tasächlich angespitzt gewesen war, bis zum letzten Gleichheitszeichen und sogar darüber hinaus. Die Gilde der Sternengucker und Astronomen, und wahrscheinlich auch ein paar verrückte Zauberer würden für diese simple**** Formel wahrscheinlich über Leichen gehen. Naja, es war schon hart, wenn man eigentlich nie schlafen konnte. Trolle waren nun mal immer wach, und wenn man davon absah, dass sie ab und zu ein wenig vor sich hin dämmerten(aber nur, wenn die Unterlage flauschig weich und die Musik passend war), dann konnte man sagen, bis zu ihrem "ewigen Schlaf", während dem sie sich stetig in die Steine, die sie eigentlich waren, zurückverwandelten, außer sie wurden durch unglückliche Umstände (Lagerfeuer auf der Zunge, Expeditionen in den verdauungstrakt usw.) geweckt, also, bis dahin eben, waren Trolle ständig wach. Man musste sich also beschäftigen, und warum eben nicht mit Sachen, die das Oberstübchen auf Trab hielten?

Um zum Thema Schlaf zurückzukommen, Silizium hatte in einer besonders kalten Nacht entdeckt, beziehungsweise hatte es mit sich ausdiskutiert, dass es eigentlich Verschwendung sei, tagsüber, bei Hitze und solchen Sachen, die den Kopf schwergängiger machten, irgendwie aktiv zu sein. Deswegen hatte er sich ein kuschelig weiches***** Lager im Kühlraum des Leichenschauhauses eingerichtet (und, streng genommen, war es ihm auch recht egal, was die Untoten tagsüber trieben. Sein Dienst begann erst am Nachmittag, und die drei bis vier Stunden, die er transpirierend und dumm vor dem Tor verbringen musste, bis die Abendkühle einsetzte, waren schon schlimm genug! Einmal hatte er den Troll von der Wache gesehen, Detritus, und er hatte einen kühlenden Helm auf dem Kopf gehabt. Diese Idee hielt Silizium aber für wenig bis ineffektiv. Der ganze Körper musste gekühlt werden, um volle Leistung zu bringen, und das wäre schlicht und einfach nicht praktikabel gewesen.****** Silizium legte sich hin und schloss die Augen.
Irgendwie merkwürdig, als Troll jeden Tag schlafen zu wollen, dachte er sich. Aber vielleicht ist das auch nur der Einfluss der ganzen Leichen.



*=Dies ist das Geräusch, das dabei entsteht, wenn ein Troll mit einem großen Bleistift auf grobem Papier schreibt. Das liegt daran, dass Trolle so erschreckend wenig Feinmotorik besitzen, dass sie eher probieren, Furchen in das Papier zu machen, wenn man es genau nimmt. Manchmal achten sie auch nicht unbedingt darauf, ob ihr Stift angespitzt ist, und dann läuft es wirklich auf das "Furchen machen" hinaus. Deswegen benutzen Trolle immer sehr dickes, sehr reißfestes Papier.

**=Etwas übertrieben. Nur aufgrund der besonderen Spannung verwendetes Adjektiv, nicht auf die tastächliche Bewegungsgeschwindigkeit des Trolles zutreffend.

***= Siehe **.

****=Berechtigte Arroganz durch überlegene mentale Kraft ist in dieser Formulierung überdurchschnittlich gut repräsentiert. Oder nicht?

*****=Es bestand aus Schieferblöcken, die in der Art eines großen Futonbettes angeordnet waren.

******=Erstaunlich, dass jemand die Intelligenz des Leonard von Quirm besitzen konnte, mit der Gabe zum rationellen Abwägen des Patriziers, finden sie nicht auch? Ein Jammer, dass Silizium ein Troll war. Er hätte es weit bringen können.

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Semtext's Selbstdarstellung

Raps und Reflektionen, Gedanken und Spinnereien...

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Was nicht wert ist, gesagt zu werden, das singt man. (Pierre Augustin Baron de Beaumarchais, frz. Bühnenschriftsteller, 1732-1799)

Das hier ist schlicht, was die Überschrift sagt. Eine Selbstdarstellung. Manche würden sagen öffentliches Tagebuch im lockeren Wochenrythmus, andere wiederum Textsammlung. Mittlerweile auch Rezeptsammlung für Cocktails. Wasauchimmer.

Es ist und bleibt die Selbstdarstellung eines Hobby-Rappers, Poetry Slammers und freiberuflichen Journalisten aus Oldenburg, der von ganz mittig nach ganz oben will. Mit explosiven Texten, die wie Bomben in den Frieden fetzen. Hatte ich mal gedacht. Deswegen der Name Semtext. Wer's nicht kapiert, bitte einfach mal "Semtex" bei Wikipedia oder im Brockhaus nachschlagen.
Man kann von mir mittlerweile auch Texte korrekturlesen lassen.

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